May 25
Re: wundert mich nicht - Die Utopie des Internet und die Finanzen
> Das Internet wurde doch dazu geschaffen, wissenschaftliche Inhalte
> dezentral zu lagern bzw. für viele öffentlich darzubieten. Mit
> Bezahl-Web hatte das wenig zu tun und hat es m. E. immer noch
> nicht,
> auch wenn im Netz viel Kohle (P-Sites) gescheffelt wird. Auf Dauer
> kann
> das indes nicht gut gehen. Immer noch sind die Leute, die das Netz
> an
> sich betreiben, entweder ehrenamtlich oder zu einem rel. geringen
> Lohn
> eingestellt. Sie tuen das einfach nur um der Sache willen. (siehe
> sendmail-schreiber, usw…)
>
> Als ich meine Seite ins Netz gestellt habe, war mir von vornherein
> klar, daß es nur Kosten aber keinen Gewinn (von dem sozialen
> Mehrwert
> abgesehen) bringen würde. Daher kommt es für mich auch nicht in
> Frage,
> für Inhalte Geld zu bezahlen. Denn die Inhalte die pures Geld
> /wert/
> sind, sind zu meist kostenlos verfügbar. Für Psuedo-Nachrichten,
> Werbung und Pornos gilt dieses nicht.
>
> Wie seht ihr das?
Im Prinzip genauso. Ich möchte nicht wissen wie sich die Wissenschaft
und die internationale Zusammenarbeit in Forschungsprojekten wohl ohne
das Internet oder E-mail entwickelt hätte! E-mails waren zu meinen
aktiven Forschungszeit die einzige Möglichkeit zum schnellen
Informationsaustausch innerhalb unterschiedlicher Zeitzonen ohne spät
in der Nacht am Telefon hocken zu müssen und kleine Vermögen zu
vertelefonieren. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, eigene
Ergebnisse sofort in Onlinedatenbanken prozessieren zu können.
Klar, das solche Angebote Geld kosten. Der Informationsvorsprung durch
Aktualität war die Investition aber auch Wert und die Nutzung war rein
beruflich.
Mit zunehmender Privatisierung und der Etablierung einer Infrastruktur,
die es einer breiten Öffentlichkeit ermöglicht das Web zu nutzen und
nicht zuletzt angespornt durch die Erfolge der XXX-Branche hat sich
eine Sichtweise des Webs durchgesetzt, die an ein klassisches
Knappheitsfeld im Sinne der Kondratiefzyklen erinnert und natürlich
wurde dieses Feld gleich in Besitz genommen.
Was sich seit 2-3 Jahren abspielt, ist nun eine Art der Anpassung an
eine Evolutionsniesche, oder schlicht gesagt eine
Branchenkonsolidierung. Naturgemäss haben es diejenigen, die ausserhalb
dieses Lebensraumes nicht existieren können dabei schwerer als die, die
diese Evolutionsniesche nur zu dem Zweck gebrauchen, der den dortigen
Gegebenheiten am besten angepasst ist. Das ist zum einen die Werbung
und zum anderen die Branche, die von den niederen Instinkten und der
Anonymität lebt (die XXX-Branche meine ich, nicht das Heise Forum).
Ich denke das Internet wird sich nach Art eines Wochenblattes, Werbe-
und Anzeigenfinanziert, entwickeln und nur ganz spezielle
Dienstleistungen mit aktuellem Inhalt und hohem Informationsgrad (e.g.
Börsen-, Finanznews, Bilddatenbanken, Nachschlagewerke) werden sich
gegen cash halten können.
b